Sonntag, 07 Juni 2020 19:38

Neurodermitis-Schübe im Frühling: Auch die Haut kann während der Pollensaison leiden

geschrieben von

Wussten Sie, dass nicht nur Heuschnupfen-Geplagte, sondern auch Menschen mit Neurodermitis oder Asthma unter dem Pollenflug leiden können?

 

Pollen sind nicht nur Feinde der Allergiker

Für viele Menschen ist der Frühling eine unbeschwerte Zeit. Es wird langsam immer grüner, Blumen und Bäume blühen - verbreiten damit aber auch kräftig ihre Pollen. Dabei sind Pollen für den Menschen gar nicht bedenklich. Nur bei einigen können sie als sogenannte Triggerfaktoren wirken und sorgen bei Allergiepatienten für juckende Augen, triefende Nasen und Atembeschwerden.[1] Pollen gelangen über die Atemwege in den Körper, aber auch über die Haut, und können daher auch bei Neurodermitis problematisch sein.[1] Laut der Deutschen Haut- und Allergiehilfe reagieren etwa 70-80 Prozent der Neurodermitis-Patienten auf Umweltallergene wie zum Beispiel Pollen.[1] Das liegt daran, dass Menschen mit Neurodermitis im Vergleich zu Menschen mit gesunder Haut eine durchlässigere Hautbarriere haben.[1] Pollen und andere Allergene oder Bakterien können durch die geschwächte Haut leichter eindringen. Sie lösen eine allergische Reaktion aus und können so zu vermehrtem Jucken der Haut und einer Verschlechterung der Neurodermitis führen (Abb. 1).[2]

Für diejenigen, die auf Pollen reagieren, empfiehlt es sich, sich vorab beim Polleninformationsdienst (http://www.pollenstiftung.de/) zu informieren, was gerade blüht.

Der dauerhafte Kampf des Immunsystems

Bei Menschen mit Neurodermitis ist das Immunsystem dauerhaft im Ungleichgewicht. Dies führt zu den typischen Hautsymptomen einer Neurodermitis, wie zum Beispiel trockene und entzündete Hautstellen sowie ständiges Jucken. Der Neurodermitis liegt eine sogenannte Typ-2-Entzündung zugrunde.[3] Und das bedeutet, dass selbst wenn die typischen Hauterscheinungen nicht zu sehen sind, die Haut entzündet ist. Allergene haben damit leichtes Spiel die Haut zu reizen und die vielen blühenden Pflanzen im Frühling können zu einer zusätzlichen Belastung für Neurodermitis-Patienten werden.

Wenn der Juckreiz nicht enden will

Betroffene leiden täglich an dem Juckreiz, der sich wie tausend Mückenstiche am ganzen Körper anfühlt. Alle Bereiche des Lebens wie beispielsweise Schlaf, Arbeitsleistung oder Freizeit und Sport werden beeinträchtigt. Bei Jugendlichen nimmt oftmals mit zunehmender Schwere der Neurodermitis die Anzahl der versäumten Schultage zu:[4] Ein quälender Juckreiz lässt die Patienten nachts nicht schlafen, wodurch die Leistungsfähigkeit eingeschränkt wird und es zu höheren Fehlzeiten in der Schule kommt (Abb. 2). Je ausgeprägter die Neurodermitis ist, umso stärker ist außerdem die Belastung der gesamten Familie.[5] So leiden etwa zwei Drittel der Eltern und Geschwister von Jugendlichen mit einer atopischen Dermatitis an Schlafstörungen. In einer Befragung gaben 86 Prozent der Eltern an, im Durchschnitt 2,7-mal pro Nacht aufzuwachen und ein Schlafdefizit von durchschnittlich 2,6 Stunden pro Nacht zu haben.[6]

Die von Natur aus trockene Haut bei Menschen mit schwerer Neurodermitis wird durch den Juckreiz und das Kratzen weiter geschwächt. Und als wäre dies nicht genug, kommt an den warmen Tagen erschwerend hinzu, dass man mehr ins Schwitzen kommt. Schweiß trocknet die Haut jedoch noch weiter aus und kann außerdem zu mehr Juckreiz führen. Einen ähnlichen Effekt hat auch häufiges und zu heißes Duschen. Die regelmäßige Pflege der Haut wird dann umso wichtiger.

Neurodermitis in den Griff bekommen

Regelmäßige Besuche beim Facharzt sind wichtig, um die typischen Zeichen der Neurodermitis gut kontrollieren zu können und eine geeignete Therapieform zu finden, die auf die jeweiligen Ausmaße zugeschnitten ist. Die eigene Krankheit für sich zu dokumentieren und Veränderungen bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel mit Hilfe eines Neurodermitis-Tagebuchs, kann eine gute Grundlage für den Arztbesuch sein. So kann es gelingen, Auslöser für einen Schub zu identifizieren, zukünftig zu vermeiden und eine möglichst passende Therapie zu finden. Ihr eigenes Tagebuch können Sie unter der Hotline 0800 40 500 20 (gebührenfrei aus den dt. Netzen) oder per E-Mail über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellen.