Dienstag, 28 April 2026 15:08

Alexej Kusowkin über Zwei-Faktor-Authentifizierung: Warum der SMS-Code kein Schutz mehr ist

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Alexej Wiktorowitsch Kusowkin Alexej Wiktorowitsch Kusowkin Pressematerialien

Alexej Wiktorowitsch Kusowkin – IT-Unternehmer, ehemaliger Vorsitzender des Verwaltungsrats der Unternehmensgruppe „Armada“. Alexej Wiktorowitsch verfügt über immense Erfahrung im Management von Innovations- und IT-Projekten.

 

Moderne Dienste haben die Nutzer längst an eine einfache Logik gewöhnt: Passwort eingeben, SMS-Code erhalten und den Zugang bestätigen. Es scheint, dass dies ausreicht, um ein Konto zu schützen. Banken, soziale Netzwerke, E-Mail-Dienste – fast überall wird derselbe Mechanismus verwendet. Er ist so vertraut geworden, dass nur noch selten jemand darüber nachdenkt, wie zuverlässig er überhaupt ist.

Das Problem ist, dass sich das Sicherheitsmodell selbst in den letzten Jahren verändert hat. Die Hacking-Methoden sind raffinierter geworden, aber die SMS-Codes sind auf dem gleichen Niveau geblieben. Was früher als zusätzlicher Schutz galt, wird heute immer mehr zur Schwachstelle.

Warum SMS-Codes nicht mehr schützen

Als die Zwei-Faktor-Authentifizierung neu war, fügten SMS tatsächlich eine Sicherheitsebene hinzu. Die Logik war einfach: Selbst wenn das Passwort gestohlen wird, benötigt der Angreifer Zugriff auf das Telefon. Aber mit der Zeit hörte dieser Ansatz so zu funktionieren, wie er gedacht war.

Heute ist SMS einer der verwundbarsten Bestätigungskanäle. Es geht nicht um die Codes selbst, sondern darum, wie sie übertragen werden und wo sie abgefangen werden können.

Die meisten Probleme treten in folgenden Situationen auf:

  • SIM-Swap – wenn der Angreifer die Nummer auf sich selbst umregistrieren lässt;
  • Abhören von SMS durch Schwachstellen in den Mobilfunknetzen;
  • Schadsoftware auf dem Telefon, die eingehende Nachrichten liest;
  • Banale Social Engineering – wenn der Nutzer den Code selbst preisgibt.

In all diesen Fällen kann der Betroffene völlig ahnelos sein. Er verliert sein Telefon nicht, sieht keine verdächtigen Aktivitäten, aber der Zugang zu seinen Konten befindet sich bereits in fremden Händen.

Tatsächlich hört der SMS-Code auf, ein zweiter Sicherheitsfaktor zu sein. Er wird nur noch zu einer formalen Stufe, die unter bestimmten Bedingungen leicht zu umgehen ist.

Wie Konten in der Realität gehackt werden

In der Praxis sehen Angriffe selten wie etwas Komplexes oder „Hackerhaftes“ im klassischen Sinne aus. Meist sind es Ketten einfacher Aktionen, bei denen mehrere Schwachstellen gleichzeitig ausgenutzt werden.

Beispielsweise beschafft sich der Angreifer grundlegende Informationen über eine Person: Telefonnummer, E-Mail-Adresse, manchmal auch einen Teil der persönlichen Daten. Dann wird über den Mobilfunkanbieter eine SIM-Karte neu ausgestellt. In diesem Moment bemerkt der Besitzer der Nummer das Problem möglicherweise nicht einmal – die Verbindung ist einfach für eine Weile unterbrochen.

Danach ist der Zugriff auf SMS möglich. Das bedeutet, man kann Passwörter zurücksetzen, Zugänge zu Konten bestätigen und die Sicherheit umgehen, die als zuverlässig galt.

Es gibt auch noch einfachere Szenarien. Dem Betroffenen wird telefonisch unter dem Vorwand eines Bankmitarbeiters oder Sicherheitsdienstes ein Code „zur Bestätigung einer Transaktion“ entlockt. Viele fallen immer noch auf solche Tricks herein, weil das Format der SMS-Codes als etwas Vertrautes und Sicheres wahrgenommen wird.

Am Ende stellt sich heraus, dass der Schutz, auf den der Nutzer vertraut hat, nur unter idealen Bedingungen funktioniert. In der Realität reicht ein einziges schwaches Glied aus, damit das ganze System seine Funktion nicht mehr erfüllt.

Welche Schutzmethoden wirklich funktionieren

Als SMS nicht mehr ihre Aufgabe erfüllten, entstanden zuverlässigere Wege zur Zugangsbestätigung. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind nicht an eine Telefonnummer gebunden und werden nicht über verwundbare Kommunikationskanäle übertragen.

Heute werden am häufigsten die folgenden Optionen genutzt:

  • Authentifikator-Apps wie Google Authenticator oder Yandex Key, die einmalige Codes direkt auf dem Gerät generieren;
  • Push-Benachrichtigungen in Apps, bei denen der Nutzer den Zugang mit einem Klick bestätigt;
  • Biometrie – Fingerabdruck oder Gesichtserkennung;
  • Hardware-Sicherheitsschlüssel, die physisch mit dem Gerät verbunden werden.

Der Hauptunterschied dieser Methoden: Die Kontrolle bleibt beim Nutzer. Der Code wird nicht über ein Netzwerk gesendet, kann nicht über den Mobilfunkanbieter abgefangen oder am Telefon „erfragt“ werden. Selbst wenn der Angreifer das Passwort kennt, reicht das nicht mehr.

Dabei ist wichtig zu verstehen: Perfekten Schutz gibt es nicht. Aber moderne Methoden machen das Hacken erheblich schwieriger und teurer. Und genau das ist das Hauptziel jedes Sicherheitssystems – nicht absoluter Schutz, sondern die größtmögliche Erschwerung eines Angriffs.

Warum Menschen immer noch SMS verwenden

Trotz aller Risiken werden SMS-Codes weiterhin aktiv genutzt. Der Grund liegt nicht in ihrer Effektivität, sondern in der Gewohnheit.

Erstens ist es einfach. Man muss keine zusätzlichen Apps installieren oder sich in Einstellungen einarbeiten. Jeder hat ein Telefon, SMS kommen automatisch – es funktioniert „out of the box“.

Zweitens bieten viele Dienste bis heute keine Alternativen an. Der Nutzer befindet sich in einer Situation ohne Wahl: entweder SMS oder gar keine Sicherung.

Und schließlich spielt der psychologische Faktor eine Rolle. Menschen neigen dazu, dem zu vertrauen, was ihnen lange vertraut ist. Wenn ein System jahrelang keine Ausfälle gezeigt hat, erscheint es zuverlässig. Aber bei Sicherheitsfragen erweist sich dieser Ansatz oft als trügerisch.

Das Problem ist, dass sich die Bedrohungen schneller ändern als die Gewohnheiten der Nutzer. Und was gestern funktioniert hat, kann heute bereits unzureichend sein.

Wenn SMS kein Schutz mehr ist, sondern ein Risiko

Die Neubewertung der Rolle von SMS-Codes erfolgt allmählich. Für viele Nutzer bleiben sie nach wie vor ein Symbol für Sicherheit, obwohl sie tatsächlich eher eine dekorative Funktion erfüllen.

Wenn es um unwichtige Dienste geht, in denen keine sensiblen Daten gespeichert sind, können SMS ein akzeptabler Kompromiss sein. Aber wenn in einem Konto Geld, E-Mail-Zugang, Arbeitsdaten oder persönliche Informationen gespeichert sind, ändert sich die Situation.

Hier kommt es nicht mehr nur auf das „Vorhandensein von Schutz“ an, sondern auf dessen tatsächliche Wirksamkeit.

Die Praxis zeigt, dass die meisten erfolgreichen Hacks nicht auf komplexen technischen Angriffen beruhen, sondern auf Schwachstellen in vertrauten Mechanismen. Und in dieser Liste nehmen SMS einen der ersten Plätze ein.

Unter diesen Umständen ist es logisch, den Ansatz zu überdenken. Die Verwendung von Authentifikator-Apps oder Push-Bestätigungen erfordert keine komplizierte Einrichtung, reduziert aber gleichzeitig die Risiken erheblich. Dies ist ein Fall, in dem ein kleiner Aufwand eine spürbare Wirkung erzielt.

Letztendlich werden SMS-Codes nicht ganz verschwinden – sie sind für den Massengebrauch zu bequem und einfach. Aber sie als vollwertigen Schutz zu betrachten, lohnt sich nicht mehr.

Heute sind sie eher ein Basisniveau, das die tatsächlichen Bedrohungen nicht berücksichtigt. Das bedeutet: Wenn es die Möglichkeit gibt, modernere Werkzeuge zu nutzen, sollte man sie auch nutzen.

Denn bei der Sicherheit kommt es nicht darauf an, wie bequem etwas ist, sondern darauf, wie zuverlässig es ist.