Donnerstag, 05 Februar 2026 21:51

Tarifabschluss DRK Sachsen

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Neuer Tarifvertrag beim DRK Sachsen mit höheren Entgelten und verbesserten Arbeitsbedingungen ab 2026. Neuer Tarifvertrag beim DRK Sachsen mit höheren Entgelten und verbesserten Arbeitsbedingungen ab 2026. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Die monatelangen Tarifverhandlungen im sächsischen DRK sind beendet. Nach rund 12 Monaten Konflikt liegt nun eine verbindliche Einigung vor. Beschäftigte erhalten spürbare finanzielle und strukturelle Verbesserungen. Der neue Tarifvertrag gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 und läuft bis Ende 2027.

Inhaltsverzeichnis

ver.di und Arbeitgeberverband sächsische DRK-Gliederungen

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Arbeitgeberverband der sächsischen DRK-Gliederungen, Arbeitgeberverband Wohlfahrt- und Gesundheitsdienste e.V., führten über Monate intensive Gespräche. Die Tarifrunde stand lange vor dem Scheitern. Erst ein überarbeitetes Angebot brachte Bewegung. In einer Mitgliederbefragung stimmten 72 Prozent der ver.di-Mitglieder im DRK zu. Danach erklärten auch die Arbeitgeber die Tarifeinigung final. Damit endet ein Jahr tariflicher Auseinandersetzungen, die vor dem Hintergrund der angespannten Lage im Gesundheitswesen stehen, wie sie auch bei der Krise in deutschen Krankenhäusern sichtbar wird.

Entgelt und Sonderzahlungen

Die Tabellenentgelte steigen um 3 Prozent zum 1. Januar 2026 und um weitere 3,5 Prozent zum 1. Januar 2027. Auch Auszubildende profitieren. Ihre Ausbildungsentgelte erhöhen sich jeweils um 75 Euro in beiden Jahren. Die Jahressonderzahlung wächst schrittweise. Ab 2026 beträgt sie 70 Prozent. Ab 2027 steigt sie auf 75 Prozent. Zusätzlich erhalten ver.di-Mitglieder einen erhöhten Gewerkschaftsbonus, ein Aspekt, der im Zusammenhang mit strukturellen Fragen der Pflegesysteme an Bedeutung gewinnt.

Wesentliche finanzielle Regelungen im Überblick

  • Tabellenentgelte plus 3 Prozent ab 2026
  • Tabellenentgelte plus 3,5 Prozent ab 2027
  • Ausbildungsentgelte plus 75 Euro ab 2026 und 2027
  • Jahressonderzahlung 70 Prozent ab 2026
  • Jahressonderzahlung 75 Prozent ab 2027
  • ver.di-Bonus 300 Euro ab 2026 sowie jeweils 200 Euro in den Jahren 2026 und 2027 für Mitglieder mit Eintritt spätestens Juni 2025

Arbeitszeit und Urlaub

Auch bei der Arbeitszeit wurden Anpassungen vereinbart. Ab 2027 kommt ein zusätzlicher freier Tag hinzu. Perspektivisch sinkt die Wochenarbeitszeit. Ab 2028 beträgt sie regulär 39 Stunden. Im Rettungsdienst wird die Arbeitsbereitschaft auf maximal 43 Stunden reduziert. Zuvor lag sie bei 44 Stunden. Beim Urlaub gibt es ebenfalls Verbesserungen. Ab dem fünften Beschäftigungsjahr gelten 31 Tage Grundurlaub. Die Obergrenze liegt künftig bei 37 Tagen. Weitere Informationen zur Entwicklung der Arbeitsbedingungen im DRK finden sich mehr hier.

Regelungen zur Arbeitszeit

  1. Ein zusätzlicher freier Tag ab 2027
  2. 39 Stunden Wochenarbeitszeit ab 2028
  3. Maximal 43 Stunden Arbeitsbereitschaft im Rettungsdienst

Zulagen und Krankenhausbereich

Die Zulagen für Schicht- und Wechselschichtarbeit werden deutlich angehoben. Ab Juli 2026 beträgt die Wechselschichtzulage 170 Euro. Ab Juli 2027 steigt sie auf 190 Euro. Die Schichtzulage erhöht sich parallel von 78 auf 86 Euro. Im Krankenhausbereich fallen die Erhöhungen höher aus. Dort gelten ab 2026 eine Wechselschichtzulage von 250 Euro und eine Schichtzulage von 100 Euro. Weitere Verbesserungen bei Zuschlägen und freien Tagen wurden vereinbart.

André Urmann ver.di

Bewertung von André Urmann, Verhandlungsführer von ver.di

„Das Tarifergebnis bringt spürbare Verbesserungen für die Beschäftigten im Rettungsdienst, in der Pflege, im Krankenhaus, im Erziehungsdienst sowie in den vielfältigen Rotkreuzberufen. Im Branchenvergleich bleibt der Abschluss jedoch hinter dem zurück, was nach unserer Überzeugung für das DRK in Sachsen möglich gewesen wäre. Andere Wohlfahrtsverbände, ebenso Rotkreuzverbände in Sachsen und bundesweit, zeigen, dass wirtschaftlich mehr leistbar wäre. Die Zustimmung der ver.di-Mitglieder beruhte daher auf einer pragmatischen Abwägung. Vor dem Hintergrund einer rückläufigen Streikbeteiligung Ende des vergangenen Jahres waren weitergehende Streiks kaum realistisch. Am Ende blieben nur zwei Wege offen, zum einen die Annahme des verbesserten Tarifangebots oder zum anderen dessen Ablehnung. Eine Ablehnung wäre mit einer stärkeren Konzentration auf Haustarifverträge in gut organisierten Betrieben einhergegangen, verbunden mit Chancen, aber auch Risiken. Mit dem Tarifabschluss kehrt nach einem Jahr Tarifkonflikt zunächst Ruhe ein, wenngleich eine gewisse Unzufriedenheit unter den Beschäftigten verständlicherweise mitschwingt. Mit Blick in die Zukunft und auf die kommende Tarifrunde wird daher entscheidend sein, wie breit sich die Beschäftigten für ihren Tarifvertrag in ver.di organisieren und engagieren. Derzeit ist nur rund jede und jeder fünfte DRK-Beschäftigte Mitglied von ver.di, ein Umstand, der unsere Durchsetzungskraft in Tarifverhandlungen spürbar begrenzt. Nicht mitzuwirken und auf eine Mitgliedschaft in ver.di zu verzichten ist daher keine neutrale Entscheidung der Beschäftigten. Diese individuelle Entscheidung vieler gegen ver.di und den Tarifvertrag verringert den gemeinsamen Handlungsspielraum und wirkt sich am Ende unmittelbar auf das Tarifergebnis aus. Insofern sehen wir diesen Tarifabschluss mit gemischten Gefühlen und appellieren an alle bisher passiv gebliebenen Kolleginnen und Kollegen, künftig die Zuschauerperspektive zu verlassen. ‚Gemeinsam geht mehr‘ ist keine abgedroschene Floskel, sondern die Formel für Tariferfolg.“

In den kommenden Wochen überführen beide Tarifparteien die Ergebnisse in einen neuen Tarifvertragstext. Danach folgt die formale Unterzeichnung. Die nächste reguläre Tarifrunde beginnt im Januar 2028.

FAQ

Ab wann gilt der neue Tarifabschluss für das DRK in Sachsen?

Der Tarifabschluss gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 und läuft bis zum 31. Dezember 2027.

Wie stark steigen die Tabellenentgelte im DRK?

Die Tabellenentgelte erhöhen sich um 3 Prozent zum 1. Januar 2026 und um weitere 3,5 Prozent zum 1. Januar 2027.

Welche Verbesserungen gibt es bei der Jahressonderzahlung?

Die Jahressonderzahlung steigt ab 2026 auf 70 Prozent und erhöht sich ab 2027 auf 75 Prozent.

Profitieren auch Auszubildende vom Tarifabschluss?

Ja, die Ausbildungsentgelte steigen jeweils um 75 Euro zum 1. Januar 2026 und zum 1. Januar 2027.

Welche Änderungen betreffen die Arbeitszeit?

Ab 2027 kommt ein zusätzlicher freier Tag hinzu, ab 2028 sinkt die regelmäßige Wochenarbeitszeit auf 39 Stunden.

Was ändert sich für den Rettungsdienst?

Im Rettungsdienst wird die maximale Arbeitsbereitschaft ab 2028 auf 43 Stunden pro Woche abgesenkt.

Wie entwickeln sich die Schicht- und Wechselschichtzulagen?

Die Wechselschichtzulage steigt auf 170 Euro ab Juli 2026 und auf 190 Euro ab Juli 2027, die Schichtzulage erhöht sich auf 78 Euro und später auf 86 Euro.

Gibt es Sonderregelungen für den Krankenhausbereich?

Ja, im Krankenhausbereich gelten ab 2026 höhere Zulagen mit 250 Euro für Wechselschichtarbeit und 100 Euro für Schichtarbeit.

Welche Vorteile erhalten ver.di-Mitglieder?

ver.di-Mitglieder erhalten einen Bonus von 300 Euro ab 2026 sowie zusätzlich jeweils 200 Euro in den Jahren 2026 und 2027.

Wann beginnt die nächste Tarifrunde?

Die nächste reguläre Tarifrunde beginnt im Januar 2028.

Quelle: SAT VERDI