Freitag, 02 Januar 2026 15:25

Insolvenz beim DRK Osnabrück

geschrieben von
Vorläufige Insolvenz beim DRK Osnabrück-Stadt kurz vor Jahresende. Vorläufige Insolvenz beim DRK Osnabrück-Stadt kurz vor Jahresende. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Kurz vor dem Jahreswechsel geriet ein etablierter Wohlfahrtsverband in schwere Turbulenzen. Der DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt befindet sich im vorläufigen Insolvenzverfahren. Für Beschäftigte, Ehrenamtliche und Mitglieder kamen die Informationen zu einem sensiblen Zeitpunkt. Die Lage ist komplex. Viele Details werden noch geprüft. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich zuletzt auch in anderen Regionen, etwa bei der Krise in Braunschweig und Salzgitter.

Inhaltsverzeichnis:

Insolvenzverfahren in Osnabrück

Zwei Tage vor Heiligabend informierte der Vorstand die Belegschaft in einer Betriebsversammlung. 34 Mitarbeitende waren betroffen. Es herrschte große Verunsicherung. Tränen flossen. Das vorläufige Insolvenzverfahren wurde offiziell bestätigt. Der geschäftliche Stillstand drohte zunächst nicht.

Eine erste Entlastung folgte zum Jahreswechsel. Das Insolvenzausfallgeld ist gesichert. Die Arbeitsagentur übernimmt für 3 Monate die Lohnkosten. Die Dezembergehälter werden Anfang Januar ausgezahlt. Diese Information bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Stephan Michels am 30. Dezember 2025. Vergleichbare finanzielle Einschnitte meldete zuvor auch das DRK in Hagen.

Stephan Michels und die Mitarbeitenden

Vor allem offene Gehälter hatten zuvor Sorgen ausgelöst. Nach der Versammlung fiel die Rückmeldung sachlich aus. Michels erklärte schriftlich, die Gesprächsatmosphäre sei offen, sachlich und konstruktiv gewesen. Auch andere Teilnehmer bestätigten diesen Eindruck. Die Belegschaft zeigte sich dankbar für klare Informationen.

Intern gab es jedoch schon früher Warnzeichen. Materialbestellungen stockten. Selbst einfache Betriebsbedarfe wie Toilettenpapier konnten zeitweise nicht beschafft werden. Nach Angaben aus internen Kreisen hatte der damalige Geschäftsführer Entscheidungsprozesse stark zentralisiert. Dadurch verschärfte sich die Lage schrittweise.

Strafanzeige gegen Mike Reil

Am Tag der Insolvenzanmeldung erstattete der Vorstand Strafanzeige. Sie richtete sich gegen den früheren Geschäftsführer Mike Reil. Über konkrete Vorwürfe äußert sich der Vorstand öffentlich nicht. Ziel sei es, rechtliche Risiken zu vermeiden. Für Reil gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Mitte November ordnete das Amtsgericht Osnabrück eine Durchsuchung der Geschäftsräume an. 14 Beamte des Zolls sicherten Unterlagen und Datenträger. Der Vorwurf lautet auf Verstöße gegen Melde-, Beitrags- und Aufzeichnungspflichten. In 2 Fällen erhielten Beschäftigte weniger als den Mindestlohn. Der ausstehende Lohn wurde später nachgezahlt.

Corona-Testzentrum und frühe Hinweise

Die Ermittlungen reichen zeitlich weit zurück. Grundlage der Durchsuchung waren Erkenntnisse aus Befragungen in einem Corona-Testzentrum in Osnabrück im März 2022. Der Zoll bestätigte diesen Zusammenhang. Weitere Details werden wegen des laufenden Verfahrens nicht genannt. Die Auswertung der sichergestellten Daten dauert an.

Parallel stellt sich die Frage nach der Verantwortung des ehrenamtlichen Vorstands. Schatzmeister Paul Schneiderle versprach Transparenz, blieb aber konkrete Antworten schuldig. Der Vorsitzende Michael Schneider gilt als langjähriger Vertrauter von Reil. Beide arbeiteten früher gemeinsam bei einer Osnabrücker Spedition. Vorstandssitzungen fanden häufig per Videokonferenz statt. Interne Stimmen berichten von fehlendem Austausch. Ähnliche Haftungsfragen beschäftigen derzeit auch Verantwortliche in Erkrath.

Tagespflege an der Lise-Meitner-Straße

Ein besonders auffälliges Projekt war die Tagespflege im Wohn- und Wissenschaftspark. Nach Umbauten und monatelanger Verzögerung öffnete sie im Frühjahr 2025. 25 Plätze standen bereit. Nur 3 waren belegt. 9 qualifizierte Mitarbeitende wurden eingestellt und in der Wartezeit anderweitig eingesetzt. Anfang Dezember schloss die Heimaufsicht die Einrichtung. Nach der Freistellung von Reil fehlte eine fachlich geeignete Heimleitung.

Betrieb läuft weiter

Trotz der finanziellen Krise bleiben die Angebote bestehen. Dazu zählen Erste-Hilfe-Kurse, der soziale Dienst sowie die Kreisbereitschaft für Veranstaltungen und Notsituationen. Auch der Markt für alle nahe dem Hauptbahnhof bleibt geöffnet. Der laufende Betrieb wird unverändert fortgeführt.

Ein Detail zeigt jedoch die angespannte Situation. Die Tankkarten sind gesperrt. Mitarbeitende des sozialen Dienstes zahlen Kraftstoff aktuell selbst. Der Insolvenzverwalter stellte klar, dass private Auslagen vollständig erstattet werden. Die Aufarbeitung der finanziellen Lage wird mehrere Wochen dauern. Ergebnisse liegen bislang nicht vor.

Standort auf Google Maps prüfen:

Karte: Google Maps / Standort des Objekts

Quelle: NOZ, MILEKCORP

FAQ

Was bedeutet das vorläufige Insolvenzverfahren für den DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt?

Das vorläufige Insolvenzverfahren bedeutet, dass die finanzielle Lage des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt geprüft wird und ein Insolvenzverwalter eingesetzt ist, während der laufende Betrieb zunächst weitergeführt wird.

Sind die Gehälter der Mitarbeitenden des DRK Osnabrück-Stadt gesichert?

Ja, die Gehälter sind für einen Zeitraum von drei Monaten gesichert, da die Arbeitsagentur im Rahmen des Insolvenzausfallgeldes die Lohnkosten übernimmt.

Welche Rolle hat Stephan Michels im Insolvenzverfahren?

Stephan Michels ist als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt und prüft gemeinsam mit seinem Team die vertraglichen, organisatorischen und finanzbuchhalterischen Strukturen des Kreisverbandes.

Warum wurde Strafanzeige gegen den ehemaligen Geschäftsführer Mike Reil erstattet?

Der Vorstand erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Melde-, Beitrags- und Aufzeichnungspflichten, wobei die konkreten Vorwürfe aus rechtlichen Gründen nicht öffentlich benannt werden.

Welche Angebote des DRK Osnabrück-Stadt bleiben trotz Insolvenz bestehen?

Bestehen bleiben unter anderem Erste-Hilfe-Kurse, der soziale Dienst, die Kreisbereitschaft für Veranstaltungen und Notsituationen sowie der Markt für alle in der Nähe des Hauptbahnhofs.