Donnerstag, 06 November 2025 16:54

Humanitäre Hilfe in Deutschland stark gekürzt

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DRK warnt vor den Folgen gekürzter Hilfsgelder. DRK warnt vor den Folgen gekürzter Hilfsgelder. Foto: SN2 Networks / Redaktionsarchiv

Die Entscheidung der schwarz-roten Koalition, die Mittel für humanitäre Hilfe drastisch zu senken, hat weitreichende Folgen. Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schlagen Alarm. Mehr als die Hälfte der bisherigen Gelder wurde gestrichen – von über zwei Milliarden auf rund eine Milliarde Euro jährlich. Diese Entwicklung gefährdet nach Einschätzung von Fachleuten den Schutz und die Versorgung von Millionen notleidender Menschen weltweit.

Inhaltsverzeichnis:

Kritik von Christof Johnen und dem Deutschen Roten Kreuz

Der Leiter der internationalen Zusammenarbeit beim Deutschen Roten Kreuz, Christof Johnen, bezeichnete die Entscheidung als „unverständlich“. Nach seiner Einschätzung sei es „erschreckend“, dass Deutschland dem Beispiel anderer Länder folge und das Budget drastisch kürze. Die Mittel seien entscheidend, um in Krisengebieten Medikamente, Verbandsmaterial und Nahrungsmittel bereitzustellen.

Das DRK fordert eine Erhöhung der humanitären Leistungen auf drei Milliarden Euro pro Jahr. Johnen verwies darauf, dass sich die Zahl der bewaffneten Konflikte weltweit in den letzten 25 Jahren mehr als versechsfacht habe – von 20 auf über 130. Millionen Menschen seien infolge dieser Entwicklungen innerhalb ihrer Länder vertrieben worden.

Mehr über das Engagement des Roten Kreuzes in Deutschland finden Sie unter DRK Sindelfingen würdigt Engagement und Treue.

Jamila Schäfer und die Grünen-Fraktion üben scharfe Kritik

Auch die Bundestagsabgeordnete Jamila Schäfer von den Grünen äußerte sich deutlich. Sie erklärte, die Kürzungen seien „humanitär unverantwortlich und geopolitisch kurzsichtig“. Weltweit seien über 300 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, darunter Opfer von Kriegen, Hungersnöten und Klimakatastrophen.

Zudem betonte Schäfer, dass die internationale Finanzierungslücke – durch den Rückzug der USA und anderer Geberstaaten – größer sei als jemals zuvor. Deutschland müsse seiner globalen Verantwortung gerecht werden, forderte sie. Die Grünen schließen sich daher der DRK-Forderung an, das Budget wieder auf drei Milliarden Euro jährlich anzuheben.

Ein Beispiel für lokale Hilfsinitiativen bietet das Pflegeprojekt in Bottendorf, das zeigt, wie gezielte Unterstützung direkt in den Alltag Betroffener eingreifen kann.

Haltung des Auswärtigen Amts unter Johann Wadephul

Das Auswärtige Amt, geleitet von Johann Wadephul (CDU), teilte mit, dass es im parlamentarischen Verfahren für zusätzliche nationale Mittel eintrete. Gleichzeitig müsse das Ministerium seine Arbeit stärker auf unmittelbar lebenserhaltende Maßnahmen konzentrieren.

Das Amt ist der wichtigste Förderer des DRK im Bereich internationale Zusammenarbeit und finanziert mehr als die Hälfte seiner Projekte.

Johnen erklärte, dass die staatlichen Gelder vor allem dort wichtig seien, wo die Spendenbereitschaft der Bevölkerung gering ausfalle. In der Ukraine sei die Unterstützung durch private Spenden noch stabil. Anders sei es in Krisenregionen wie Gaza, dem Sudan oder dem Jemen, wo ohne staatliche Förderung keine ausreichende Hilfe möglich sei. Mehr zu der dramatischen Situation lesen Sie unter Gaza: Rotes Kreuz warnt vor dramatischer Lage.

Reduzierte Projekte und drohende Versorgungslücken

Beim DRK mussten aufgrund der Kürzungen zahlreiche internationale Programme stark eingeschränkt werden. In den palästinensischen Gebieten konnte die Organisation 2025 nur noch 20 Prozent der Vorjahresmittel einsetzen. Das betrifft insbesondere die Lieferung von Medikamenten, Schmerzmitteln, medizinischen Geräten und Nahrungsmitteln.

Die Folge: Viele Menschen, die dringend Hilfe benötigen, erhalten keine Unterstützung mehr. Laut Johnen ist das DRK gezwungen, Prioritäten zu setzen und Projekte in Regionen mit besonders akuter Not zu konzentrieren.

Eine vollständige Rückkehr zum Niveau des Jahres 2024, also rund zwei Milliarden Euro, hält das DRK derzeit für realistisch. Über Änderungen im Haushaltsentwurf soll am 13. November entschieden werden.

Trotz der angespannten Lage bleibt das Deutsche Rote Kreuz ein zentraler Akteur im globalen Hilfssystem. Es setzt sich weiterhin für Menschen in Not ein – mit weniger Mitteln, aber unverändert großem Engagement.

Quelle: RHEINISCHE POST, www.milekcorp.com/de/