Donnerstag, 15 Januar 2026 11:14

Engpässe im Südwesten

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Engpässe bei Medikamenten und Blutkonserven stellen Kliniken in Baden-Württemberg vor tägliche Herausforderungen. Engpässe bei Medikamenten und Blutkonserven stellen Kliniken in Baden-Württemberg vor tägliche Herausforderungen. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Der Alltag in Kliniken im Südwesten ist von knappen Ressourcen geprägt. Arzneimittel fehlen zeitweise. Blutkonserven werden knapp. Einrichtungen reagieren mit Vorräten, Importen und angepasster Planung. Die Versorgung bleibt stabil, steht jedoch unter Druck. Hinweise zur aktuellen Lage der Blutversorgung finden sich hier.

Inhaltsverzeichnis:

Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart

Am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart besteht nach Angaben von Geschäftsführer Mark Dominik Alscher keine akute Gefahr für Patientinnen und Patienten. Behandlungen können durchgeführt werden. Gleichzeitig ist der Mangel Teil des Klinikalltags.

Ein aktuelles Beispiel betrifft den Influenza-Impfstoff. Geplante Impfaufrufe für das Personal laufen, zusätzlicher Impfstoff ist jedoch nicht verfügbar. Das Haus arbeitet daher mit dem ursprünglich bestellten Bestand. Grundsätzlich hält das Krankenhaus Reserven essenzieller Medikamente vor.

Wenn wichtige Präparate fehlen, kommen Importe zum Einsatz. Diese Lösung ist teuer. Die Preise liegen teils beim Zehnfachen des regulären Niveaus. Alscher beschreibt das Vorgehen wörtlich: Wir probieren sehr proaktiv über unsere Apotheke, über unser Bestellverhalten mögliche Engpässe vorherzusehen und abzufangen.

Produktion in Indien und China

Engpässe betreffen vor allem Generika. Das sind Arzneimittel ohne Patentschutz. Die Herstellung konzentriert sich auf wenige Standorte in Indien und China. Fällt eine große Fabrik aus, entstehen weltweite Knappheiten.

Auch in Stuttgart zeigt sich dieser Effekt. Kliniken beobachten den Markt intensiver. Lagerstrategien ändern sich. Der Aufwand steigt. Produktionsstätten stellen Lieferungen ein, wenn andere Wirkstoffe höhere Gewinne versprechen.

Alscher fordert Produktionsmöglichkeiten für essenzielle und teils lebenswichtige Medikamente innerhalb der Europäischen Union. Ziel ist mehr Versorgungssicherheit. Informationen zu strukturellen Herausforderungen im Kliniksystem sind mehr hier verfügbar.

Deutsches Rotes Kreuz Baden-Württemberg

Nicht nur Medikamente sind kritisch. Blutkonserven sind nahezu aufgebraucht. Das meldet das Deutsche Rote Kreuz für Baden-Württemberg und Hessen. Die Lage ist angespannt und kann sich weiter verschärfen.

DRK-Sprecherin Norah Löhlein bittet eindringlich: Wir bitten daher all diejenigen, die sich gesund fühlen, dringend in den nächsten Tagen Blut spenden zu gehen.

Mehrere Faktoren wirken zusammen. Ferien, Winterwetter und eine Infektwelle bremsen Spenden. Die Vorräte reichen aktuell nur knapp 2 Tage. Erforderlich sind 4 bis 5 Tage für eine stabile Versorgung. Aktuelle Hinweise zu Sonderterminen sollen die Lage entschärfen.

  • Ferienzeit
  • Winterbedingungen
  • Aktuelle Infektwelle

Reutlingen und Tübingen

In Tübingen melden Apotheken keine außergewöhnlichen Medikamentenengpässe. Blutkonserven fehlen im Klinikalltag bislang nicht. Viele freiwillige Spenden über die Feiertage stabilisieren die Lage. Danach sinken die Zahlen deutlich. Planbare Eingriffe werden nicht verschoben.

Im Landkreis Reutlingen bestehen Lieferprobleme seit Jahren. Chefapothekerin Josefine Restle nennt Antibiotika und Krebsmedikamente als besonders betroffen. Beschaffung ist organisatorisch und zeitlich aufwändiger. Preise steigen, Wege werden länger.

Die Kreiskliniken Reutlingen melden ausreichende Blutbestände im Depot. Die Versorgung ist gesichert, betont Chefarzt Markus Müller. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung abhängig von der Spendenbereitschaft, wie auch Berichte über knappe Blutkonserven in anderen Bundesländern zeigen.

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Quelle:  SWR, MILEKCORP

FAQ

Gibt es aktuell eine akute Gefahr für Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg?

Nach Angaben der Kliniken, unter anderem des Robert Bosch Krankenhauses in Stuttgart, besteht derzeit keine akute Gefahr, dass Behandlungen wegen fehlender Medikamente nicht durchgeführt werden können.

Welche Medikamente sind besonders von Engpässen betroffen?

Vor allem Generika ohne Patentschutz sind betroffen. Dazu zählen unter anderem Antibiotika sowie bestimmte Arzneimittel zur Krebsbehandlung.

Warum werden viele Medikamente im Ausland produziert?

Die Produktion hat sich in den vergangenen Jahren stark auf wenige Standorte in Indien und China verlagert, da dort die Herstellung kostengünstiger ist.

Welche Folgen haben Produktionsausfälle in Indien oder China?

Fällt eine große Produktionsstätte aus oder stellt die Herstellung um, kann es weltweit zu Lieferengpässen bei wichtigen Arzneimitteln kommen.

Wie reagieren Krankenhäuser auf fehlende Medikamente?

Kliniken bauen Lagerbestände auf, beobachten den Markt intensiver und greifen bei Bedarf auf Importe zurück, die jedoch deutlich teurer sind.

Warum sind Blutkonserven in Baden-Württemberg knapp?

Ferienzeiten, Winterwetter und eine starke Infektwelle haben dazu geführt, dass deutlich weniger Menschen Blut spenden.

Wie lange reichen die aktuellen Blutreserven?

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes reichen die Vorräte aktuell nur für etwa zwei Tage, notwendig wären vier bis fünf Tage.

Sind Krankenhäuser in Reutlingen und Tübingen betroffen?

In Tübingen sind bislang keine Einschränkungen im Klinikbetrieb spürbar. Die Kreiskliniken Reutlingen melden ebenfalls ausreichende Blutbestände.

Welche Rolle spielen Blutspenden für die Patientenversorgung?

Blutkonserven werden täglich für Operationen, Notfälle und lebensrettende Behandlungen benötigt und sind ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung.