Blutversorgung in Deutschland bleibt stabil – noch
Diese kritisierte den Verordnungsentwurf des damaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) im Jahr 2024 scharf und bemängelte ungeklärte Haftungsfragen. Die Verordnung wurde letztlich nicht umgesetzt.
Laut Patric Nohe, Sprecher der DRK-Blutspendedienste, ist die Blutversorgung momentan stabil. In Bundesländern mit bereits laufenden Sommerferien ist die Spendenbereitschaft jedoch rückläufig. Die größte Herausforderung bleibt die Hauptreisezeit. Täglich werden in Deutschland rund 15.000 Blutspenden benötigt, vor allem für:
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Operationen
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Unfallversorgung
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Krebstherapien
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Komplikationen bei Geburten
Eine einzelne Blutspende kann dabei bis zu drei Leben retten. Das DRK organisiert täglich über 180 Blutspendetermine, im Schnitt nehmen etwa 77 Personen pro Termin teil.
Ein unerwarteter Effekt: kühles Wetter im Juli führte zu erhöhter Spendenbereitschaft. Hitze hingegen schreckt Spender ab. Gleichzeitig ist die Haltbarkeit der Blutpräparate mit nur 42 Tagen sehr begrenzt. Eine konstante Spendenbereitschaft bleibt also essenziell.
Universalspender besonders gefragt - Blutgruppe 0
Blutgruppen 0 Rhesus negativ und 0 Rhesus positiv sind für die Versorgung besonders wichtig. 0 negativ gilt als Universalspender, da diese Spendegruppe in Notfällen eingesetzt werden kann – unabhängig von der Blutgruppe des Empfängers. 0 positiv ist mit allen Rhesus-positiven Gruppen kompatibel.
Anteil der Blutgruppen in Deutschland:
| Blutgruppe | Anteil an der Bevölkerung |
|---|---|
| 0+ | 35 % |
| A+ | 37 % |
| B+ | 9 % |
| AB+ | 4 % |
| 0- | 6 % |
| A- | 6 % |
| B- | 2 % |
| AB- | 1 % |
Mehr als 70 % der Bevölkerung haben die Blutgruppen A+ oder 0+, was sie zu den am häufigsten benötigten Spendenarten macht. Gleichzeitig ist 0- mit nur 6 % besonders rar, aber in Notfällen unverzichtbar.
Wer für wen spenden kann – Kompatibilitätsmatrix
Die folgende Tabelle zeigt, welche Blutgruppe für welche Empfängergruppe geeignet ist:
| Spendergruppe | Empfängergruppen |
|---|---|
| 0- | 0-, 0+, B-, B+, A-, A+, AB-, AB+ |
| 0+ | 0+, B+, A+, AB+ |
| A- | A-, A+, AB-, AB+ |
| A+ | A+, AB+ |
| B- | B-, B+, AB-, AB+ |
| B+ | B+, AB+ |
| AB- | AB-, AB+ |
| AB+ | AB+ |
Diese Matrix ist entscheidend für eine gezielte Spendenplanung und Patientenversorgung.
Rückgang bei Erstspendern und neue Herausforderungen
Eine zentrale Sorge des DRK: der Rückgang der Erstspender. Die besonders aktive Generation der Babyboomer fällt zunehmend aus – sei es aus Alters- oder Gesundheitsgründen. Es braucht dringend neue Spender.
Besonders problematisch:
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Viele junge Menschen spenden nicht regelmäßig.
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Nur gesunde Personen ab 18 Jahren und mit einem Mindestgewicht von 50 Kilogramm dürfen spenden.
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Frauen dürfen bis zu viermal pro Jahr, Männer bis zu sechsmal.
Die Anmeldung erfolgt meist online oder vor Ort in Kliniken. Die eigentliche Blutentnahme dauert acht bis zehn Minuten, der gesamte Termin etwa 45 Minuten. Dabei wird ein halber Liter Blut entnommen und gleichzeitig eine Gesundheitskontrolle durchgeführt.
Maßnahmen gefordert - mobile Angebote und Anerkennung
Janosch Dahmen fordert mehr Anreize und mobile Angebote. Blutspenden am Arbeitsplatz, flexible Terminvereinbarungen und gesellschaftliche Anerkennung könnten helfen, Engpässe zu vermeiden. Besonders in den Sommermonaten braucht es kreative Lösungen.
Entwicklung der Blutspenden in Deutschland
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Vollblut- und Apheresespenden seit dem Jahr 2000:
Spitzenwert der Vollblutspenden:
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2012–2014: rund 7 Mio.
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2015: 4.143.051 Spenden
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Danach kontinuierlicher Rückgang, mit leichten Schwankungen
Seit 2020 ist ein leichter Anstieg bei Apheresespenden zu verzeichnen, insbesondere zur Gewinnung von Thrombozyten, Plasma oder Erythrozyten.
Die Blutversorgung in Deutschland steht vor strukturellen Herausforderungen. Sommerliche Spendenflauten, rückläufige Erstspenderzahlen und eine alternde Bevölkerung stellen das System auf die Probe. Besonders gefragt sind Spenden der Blutgruppe 0, sowohl negativ als auch positiv. Eine Kombination aus rechtlicher Vereinfachung, breiteren Spendenangeboten und gezielter Aufklärung ist notwendig, um die medizinische Versorgung dauerhaft sicherzustellen.
Quelle: Kieler Nachrichten