Donnerstag, 07 August 2025 17:58

Hasselfeldt fordert höhere Vergütung für Freiwilligendienste

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Gerda Hasselfeldt fordert faire Bedingungen für Freiwillige. Gerda Hasselfeldt fordert faire Bedingungen für Freiwillige. Foto: Redaktion

Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, kritisiert die aktuelle finanzielle Ausstattung der Freiwilligendienste. Sie sieht in der niedrigen Vergütung ein Hindernis für eine breite Beteiligung. Stattdessen seien Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges Soziales Jahr oft nur für Jugendliche aus wohlhabenden Familien zugänglich. Dabei betont sie, wie wichtig diese Dienste für Gesellschaft und junge Menschen sind.

Inhaltsverzeichnis:

Gerda Hasselfeldt kritisiert geringe Taschengeldsätze

Das monatliche Taschengeld für Freiwillige liegt derzeit zwischen 150 und 300 Euro. Für Hasselfeldt ist das zu wenig. Sie fordert eine Orientierung an den Sätzen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes. Nur so könne man auch Jugendlichen aus weniger privilegierten Verhältnissen einen Zugang ermöglichen. Laut Hasselfeldt bleiben viele potenzielle Bewerber ausgeschlossen, weil sie sich diesen Dienst schlicht nicht leisten können.

Darüber hinaus schlägt sie vor, Freiwillige zusätzlich zu unterstützen. Ein kostenloses Deutschlandticket könne die Attraktivität steigern und gleichzeitig einen Beitrag zur Mobilität leisten. Die Präsidentin verweist darauf, dass viele junge Menschen durch ein Freiwilligenjahr wertvolle Erfahrungen sammeln und sich später im sozialen Bereich engagieren.

Boris Pistorius plant Wehrdienstreform

Verteidigungsminister Boris Pistorius will unterdessen eine Reform des freiwilligen Wehrdienstes vorantreiben. Ab dem kommenden Jahr sollen alle 18-Jährigen einen Fragebogen erhalten. Männer sind verpflichtet, diesen auszufüllen, Frauen nicht. Ziel sei es, Interesse an einer Tätigkeit bei der Bundeswehr zu erfassen und geeignete Kandidaten zur Musterung einzuladen.

Gerda Hasselfeldt fordert, den Freiwilligendienst bei dieser Befragung ebenfalls zu erwähnen. Wenn schon alle Jugendlichen kontaktiert werden, sollte auch auf die Möglichkeit des zivilen Engagements hingewiesen werden. So könnten mehr junge Menschen für soziale Dienste begeistert werden.

Verpflichtende Musterung ab 2028 geplant

Die Pläne des Verteidigungsministeriums gehen noch weiter. Ab dem Jahr 2028 soll die Musterung für alle 18-jährigen Männer verpflichtend sein. Dies soll unabhängig davon gelten, ob sie ein Interesse am Wehrdienst bekundet haben. Hintergrund ist ein angestrebtes Lagebild über die körperliche Eignung der Bevölkerung.

Die Reform ist Teil eines größeren Ziels: Deutschland soll im Konfliktfall die NATO-Vorgaben erfüllen können. Derzeit sind rund 182.000 Soldatinnen und Soldaten bei der Bundeswehr im aktiven Dienst. Hinzu kommen etwa 49.000 Reservisten. Die NATO erwartet jedoch eine Gesamtstärke von rund 460.000 Einsatzkräften.

Freiwilligendienste als gesellschaftlicher Beitrag

Gerda Hasselfeldt betont, dass Freiwilligendienste nicht nur soziale Einrichtungen unterstützen, sondern auch die persönliche Entwicklung fördern. Viele junge Menschen entscheiden sich danach für eine Ausbildung im sozialen Bereich. Einige engagieren sich langfristig ehrenamtlich. Das zeigt, wie bedeutend diese Form des Dienstes für das Gemeinwohl ist.

Eine angemessene Vergütung und bessere Rahmenbedingungen könnten den Zugang erleichtern. Die politische Diskussion über Wehrdienst und Pflichtdienste müsse daher auch das Potenzial der Freiwilligendienste stärker einbeziehen.

Quelle: Die Zeit, www.patizonet.com/de